In der brütenden Hitze des Juli 2024 befand ich mich in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Mein Lieblingsort war der Slaveykov-Platz, wo alte Bücher verkauft werden. Ich besuchte diesen Platz schon seit der Zeit vor dem Fall des Kommunismus und hatte oft das Glück gehabt, alte Publikationen in albanischer Sprache aus Tirana zu finden, aber auch in kroatischer und deutscher Sprache, die bulgarische und albanische Gelehrte in ihre Bibliotheken gebracht hatten – sogar solche aus der Zwischenkriegszeit. In jenem Jahr war mir das Glück so hold wie nie zuvor. Auf dem Boden in dem Bereich, der den Durchgang zwischen den improvisierten Vitrinen trennte, war das Buch „Български прикаски и вѣрования съ прибавление на нѣколко Македоновлашки и Албански“ ausgestellt, das 1892 in Sofia vom Autor Kuzman A. veröffentlicht wurde. Shapkarev, der in Ohrid geboren wurde. Hier und da habe ich versucht, den Titel des Buches zu übersetzen und er lautete: „Bulgarische Geschichten und Aberglauben mit der Hinzufügung von mazedonischen und albanischen.“ Shapkarev hatte unter anderem einige Erzählungen der Albanerin Zoica Mallku aus Krushevo aufgenommen, die diese 1873 ihrem Sohn in Botevgrad erzählt hatte. Um ein umfassenderes Bild der Entwicklungen rund um die Albaner von Krushevo zu zeichnen, werden wir einige der wichtigsten Ereignisse im Zusammenhang mit den Albanern dieses Zentrums von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 20. Jahrhunderts darstellen.
Die Albaner und Walachen von Voskopoja – die Gründer des heutigen Kruševo
Die Stadt Krushevo liegt am westlichen Ende des Manastir- und Prilep-Tals. Sie befindet sich auf einer Höhe von etwa 1250 Metern über dem Meeresspiegel. Dank dieser Höhenlage ist die Stadt auch auf natürliche Weise geschützt. So fällt im östlichen Teil der Stadt ein steiler Hang von etwa 600 Metern Höhe hinab ins Prilep-Tal.
Zu den ältesten historischen Quellen, die Krushevo erwähnen, gehört die osmanische von 1467. Darin wird der Ort als Weiler oder Dorf in der Entstehungsphase genannt. In jenem Jahr war Krushevo das Lehen von Hysen Bey, der unter anderem auch die Stadt Prilep und etwa 31 weitere Dörfer besaß. Das heutige Krushevo entstand also im Jahr 1467 zunächst als Dorf und wurde nach und nach in das Timar-System der Spahis im Osmanischen Reich integriert.
Demgegenüber gehörte Krusheva Ende des 18. Jahrhunderts zu Qerim Bey aus Ohrid, sodass die Einwohner von Krusheva bis 1847 Steuern an diesen Bey zahlten.
„Der Bürgermeister gab mir folgende Informationen zur Geschichte dieser Stadt. Seinen Schilderungen zufolge gab es hier vor 120 Jahren nur einen kleinen Milchviehbetrieb, der die Felder am Teich mit einem Ochsenpaar bewirtschaftete, und daneben stand eine kleine Kirche…“. So wurde der österreichische Diplomat und renommierte Albanologe Johann Georg von Hahn (1811–1869) 1858 in Kruševo empfangen. In seinem 1868 in Wien erschienenen Buch „Reise von Belgrad nach Salonik“ erklärte er die Entstehung des heutigen Kruševo. „Die walachischen Einwohner von Nikoliza oder Nikopolis in Albanien wurden von ihren albanischen Nachbarn aus ihrer Heimat vertrieben, wie später auch die Einwohner von Voskopoja. Diese Vertriebenen siedelten sich zunächst im heutigen Manastir an, flohen aber aus dem sumpfigen Gebiet weiter und ließen sich in Kursovă nieder.“ Unter anderem hatte der Konsul Hahn 1858 in Kruševo die Ruinen einer Burg und 13 Kirchen entdeckt, darunter die größte, die St.-Nikolaus-Kirche – ein prächtiges Bauwerk aus dem Jahr 1832, erbaut unter dem „großen Sadriat“ Raschid Pascha. Später gab es in Kruševo 32 Gasthäuser, 10 Schmieden und acht Fettverarbeitungsbetriebe mit einer geschätzten Jahresproduktion von über 1000 Fuhren Fett, das nach Konstantinopel, Thessaloniki, Skopje und Manastir exportiert wurde. Bezüglich der albanischen Bevölkerung in diesen Gebieten schrieb der österreichische Diplomat: „Das albanische Element ist in der Umgebung von Prilep, das insgesamt 160 Dörfer zählt, nur schwach vertreten. Von den 18 muslimischen Dörfern werden 12 von Albanern und 6 von zum Islam konvertierten Bulgaren bewohnt.“
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Prilep, 1900: Muslimische Albaner verschmelzen mit Türken, Christen mit Slawen und Griechen.
Es ist daher überraschend, dass der Albanologe Hahn die orthodoxen Albaner, die Mitbegründer von Krushevo, nicht erwähnt, die zusammen mit den Walachen aus dem Gebiet von Voskopje hierher kamen und sich ansiedelten. Da wir später auf die Albaner von Krushevo eingehen werden, konzentrieren wir uns auf den Bau der Kirche „Heiliger Nikolaus“ und die Rolle der bekannten Familien von Krushevo bei deren Errichtung. So schrieb Dushan J. Popovic (1894–1965): „Zu den bekannten Familien von Krushevo im Bereich Handel und Bankwesen gehörten: Niçota (Nishota), Krinta, Xhufka, Fundi und andere.“
Zu dieser Zeit entstand auch der Basar, der die Stadt gewissermaßen in Viertel unterteilte. Um den Basar bzw. das Stadtzentrum herum lagen das Vlachenviertel, das Strugaer Viertel (ein Viertel der Vlachen, die ursprünglich aus der Region Gramos in Albanien stammten), das Albanerviertel (ursprünglich von Albanern bewohnt), das Obere Viertel, das Mikas-Viertel und das Roma-Viertel. Die Albaner konzentrierten sich im Albaner- und im Strugaer Viertel.

Die Anfänge der Propaganda zum Nutzen der christlichen Bevölkerung und ihre Folgen
Eine der Aktivitäten, die langfristige Folgen nicht nur für die albanisch-orthodoxe Gemeinde von Kruševo, sondern allgemein auch für das heutige Nordmazedonien hatten, waren die religiös-politischen Aktivitäten zur Gestaltung des postosmanischen Balkans. Man kann sagen, dass diese Aktivitäten in der Region Manastir, Prilep, Kruševo und Reka vom russischen Konsul in Manastir, Alexander Arkadijewitsch Rostowski (1860-1903), vorangetrieben wurden.
So veröffentlichte der russische Konsul Rostowki in der ersten Ausgabe der russischen Zeitschrift „Живая старина“ von 1899 einen Artikel mit detaillierten Daten zur Bevölkerung des Vilayets Manastir für das Jahr 1897. Interessanterweise unterschieden sich die statistischen Daten des russischen Konsuls von den offiziellen türkischen Statistiken. Von Anfang an teilte er die Einwohner des Vilayets Manastir nach nationaler und religiöser Zugehörigkeit wie folgt ein: Gheg-Albaner, Tosk-Albaner, christliche Albaner, Osmanische Türken, Exarchisten-Slawen, Patriarchalische Slawen, Muslimische Slawen, Christliche Griechen, Muslimische Griechen, Walachen (Kinkaren) und Juden. Laut dem russischen Konsul Rostowski zählte das Vilâyet Manastir im Jahr 1897 803.340 Einwohner, davon 144.918 Gheg-Albaner, 81.518 Tosk-Albaner, 35.525 christliche Albaner, 186.656 Exarchisten-Slawen, 93.694 Patriarchalische Slawen, 11.542 muslimische Slawen, 78.867 Osmanen-Türken, 97.439 christliche Griechen, 10.584 muslimische Griechen, 53.227 Walachen (Cincarë) und 5.270 Juden. Wie genau seine Angaben waren, zeigt sich jedoch am Beispiel von Krushevo, wo er keinen einzigen orthodoxen Albaner verzeichnete! Die vom russischen Konsul Rostowski vorgelegten Statistiken belegen somit, dass die konkrete russische Unterstützung bei der Umsetzung der bulgarischen und serbischen Programme zur Festlegung neuer Grenzen auf dem Balkan – insbesondere in Bezug auf die Albaner – vor allem die Eingliederung orthodoxer Albaner in die bulgarische, griechische und möglicherweise sogar serbische Bevölkerung sowie die Vertreibung und Ermordung muslimischer Albaner, sofern diese den Plänen im Wege standen, zum Ziel hatte. Dies zeigte sich umso deutlicher, als russische kirchliche und diplomatische Kreise vor der Gründung des unabhängigen bulgarischen Staates durch die russischen Imperialisten dafür sorgten, die bulgarische Kirche von der Abhängigkeit Konstantinopels zu lösen und ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Besondere und direkte Unterstützung leistete der Diplomat Iganjtev, und 1870 wurde das Bulgarische Exarchat gegründet. Die Spaltung in Exarchisten und Patriarchen (die griechische Kirche, die im Schatten der serbischen Kirchenkreise agierte) traf die orthodoxen Albaner, insbesondere im heutigen Nordmazedonien, am härtesten. Dies zeigte sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, aber auch später, als die bulgarische, griechische und serbische Kirche nationale Merkmale annahmen und sich gleichzeitig auf einen Angriffskrieg zur territorialen Eroberung vorbereiteten. Dass die obigen Ausführungen zutreffen, belegt auch die Tatsache, dass Konsul Rostowski selbst angab, bei der Zusammenstellung der erwähnten Statistiken von den „christlichen Gemeinden“ informiert worden zu sein. Genauer gesagt, wurde der russische Konsul von Priestern unterstützt, die ihm die Steuerlisten anvertraut hatten, die jedes christliche Haus an den jeweiligen Bischof der Eparchie entrichtete. Anschließend wurde er von „vertrauenswürdigen Personen“ unterstützt und stützte sich zumindest auf die Daten von Kirchenpropagandisten, da diese, so der russische Konsul, „stets zugunsten der Kirchenzugehörigkeit derjenigen, die Propaganda betrieben, aufgebauscht“ worden seien. Auch hinsichtlich der Aktivitäten serbischer Kirchenkreise schrieb der russische Konsul, die „serbophilen Patriarchen“ lebten zwar nur in den Bezirken Kicevo und Dibra, stünden aber dennoch unter griechischem Einfluss! Dem russischen Konsul zufolge war der „Serbophilismus“ in diesen beiden Bezirken darauf zurückzuführen, dass „das Nationalgefühl der christlichen Bevölkerung sehr gering ausgeprägt ist“ und dass der slawisch-mazedonische Dialekt seiner Ansicht nach eine Art Übergang vom Serbischen zum Bulgarischen darstellt. Seine Daten zu Krushevo belegen jedoch einmal mehr, dass es die russischen Bezirke selbst waren, die diese Verwirrung unter den christlichen Bezirken des Balkans verursacht hatten, und niemand sonst.
Rostovski gab 1897 Daten für den Bezirk Krushevo an und schrieb, dieser bestehe aus „14 Siedlungen“. In Ostrica lebten 90 Albaner zusammen mit 160 orthodoxen Christen. In Ober-Divjakë lebten 88 Albaner und 69 orthodoxe Christen, in Unter-Divjakë 83 Albaner und 64 orthodoxe Christen. Laut dem russischen Konsul lebten 1897 also nur 261 Albaner in Krushevo! Die Daten für die Region Prilep wichen jedoch ab, und obwohl die genaue Zahl der orthodoxen Albaner verschwiegen wurde, schienen die Angaben zu den muslimischen Albanern genauer zu sein. Laut Rostovski bestand der Bezirk Prilep aus 116 Siedlungen, und von den 18.380 Einwohnern des Bezirks Prilep selbst waren 4.800 Albaner. Von der Gesamtbevölkerung von 41.090 waren 6759 Albaner.

Bezahlte Propagandisten
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Jahr 1873: Vermächtnisse der albanischen Zoica Mallku aus Krushevo
Auch Spiridon Gopčevič (1855–1937) stand im Dienst der serbischen Kirchenpropaganda. Dieser Autor besuchte Kruševo im Jahr 1888, doch laut seinen Auftraggebern und Geldgebern durfte er in dieser Stadt weder schreiben noch irgendetwas über Albaner dokumentieren!
„Wenn man zwei Stunden von Prilep durch die Ebene wandert, passiert man mehrere Dörfer, in denen nur Serben und wenige Albaner leben. Hinter dem Dorf Vërboc (mit 120 Albanern, 120 Serben und 80 Roma) und direkt gegenüber dem Dorf Tërstenik leben 220 Cincarës. Dort führt die Straße in Richtung der felsigen Schlucht“, schrieb Gopçević und fügte hinzu: „Nur einen Kilometer unterhalb des felsigen Gipfels des Berges schmiegen sich 1.650 Häuser von Krushevo mit 7.000 Cincarës und 3.000 Serben an die Ufer! Krushevo hat zwölf Kirchen, die größte ist die des Heiligen Nikolaus. Die Mijaken von Krushevo stammen ursprünglich aus Galishnica und Lazarpolje“, schloss er.
Der Bau von 160 albanischen Häusern in Krusevo
Im Sommer 1889 wurde Kruševo vom deutschen Sprachwissenschaftler Gustav Ludwig Weigand (1860 – 1930) besucht.
„Um 6 Uhr morgens brachen wir in einer Kutsche von Manastir auf. Zuerst gingen wir die Straße entlang, die nach Prilep führt, dann bogen wir links ab und folgten dem Weg den Hängen des Gebirgspasses hinauf. Nach fünf Stunden erreichten wir ein Gasthaus an der neuen Straße, die von Prilep nach Kruševo führt, und blieben dort lange, um uns auszuruhen“, schrieb Weigand, der sich genauer gesagt vom 26. Juni bis zum 3. Juli 1889 in Kruševo aufhielt. Unter anderem gefiel ihm vieles an dieser Stadt.
„Das Interessanteste an Kruševo ist die Holzarbeit in der Hauptkirche“, schrieb er später über das Geschick der Kruševoer, nachdem er zuvor mehrere „Kruševoer Goldschmiede an verschiedenen Orten in der Türkei und in Griechenland“ getroffen hatte. Der deutsche Linguist konnte es jedoch nicht vermeiden, die Propaganda der Kirche zu beschreiben.
„Gegenüber dem Dorf, auf einem Hügel, wurde von den Aromunen im Geiste des Nationalstolzes eine Kirche erbaut. Nachdem sie ihre Tore geöffnet hatte, wollten die Erbauer jedoch etwas aus der Heiligen Schrift in aromunischer Sprache und nicht in Griechisch eingravieren lassen, woraufhin der Bischof die neu erbaute Kirche schloss!“
Wir können jedoch sagen, dass die wertvollen Daten, die dieser Autor liefert, diejenigen sind, die sich auf die Populationsgröße beziehen.
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Anfang des 20. Jahrhunderts: Albanisches Fest in der katholischen Kirche in Skopje
„Im letzten Jahrhundert war Krushevo nur ein kleines Gut, das von den Aromunen aus Voskopoja und Gramoz für 400 Piaster erworben wurde. Später siedelten sich hier auch Bulgaren an, deren Zahl nicht nur durch ihre Zuwanderung aus den Ebenen, sondern auch durch die vielen Kinder in bulgarischen Familien anstieg. Die Bevölkerung von Krushevo besteht aus 7 Aromunen, 4 Bulgaren und 800 Albanern, und wie man sieht, hat Krushevo insgesamt 12 Einwohner“, schrieb er, während Berechnungen aus dem Jahr 1889 ergaben, dass es in dieser Stadt etwa 160 albanische Häuser gab.
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe des Culture Supplement