Der Fußball war spektakulär, doch die unvergesslichen Momente abseits des Platzes werden die Fans nie vergessen. Die Gastgeberländer lernten kulturelle Traditionen und Bräuche kennen, die ihnen zuvor vielleicht unbekannt waren, während die Gästefans – und ihre Spieler – ihre eigene Kultur, Traditionen und Eigenheiten einbrachten, um den Fußball zu feiern.
Peter Moore
Insgesamt 48 Mannschaften nahmen an der Weltmeisterschaft 2026 teil, die von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet wurde. Für einige kleinere Länder war es die erste Teilnahme an diesem internationalen Fußballturnier. Für andere bedeutete es die Rückkehr nach einer sehr langen Pause.
Namen wie Curaçao, Kap Verde und Bosnien und Herzegowina veranlassten viele Fans, die Google Maps App zu öffnen, um genau zu sehen, wo sie sich befanden.
Auch die Gastgeberländer wurden mit kulturellen Traditionen und Gebräuchen vertraut gemacht, die ihnen zuvor vielleicht unbekannt waren, während die mitreisenden Fans – und ihre Spieler – ihre Kultur, Traditionen und Eigenheiten annahmen, um das schöne Spiel zu feiern.
Das Ergebnis war eine wahrhaft unvergessliche Tour, die sich am besten in diesen ikonischen kulturellen Momenten zusammenfassen lässt.
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Die japanische Philosophie des Meiwaku
Die USA sind weltweit für ihre ausgelassene, individualistische Art bekannt. Und lauter und größer ist bekanntlich immer besser, besonders im Sport. Doch die japanischen Fans, die nach Amerika reisten, um ihr Team anzufeuern, zeigten, dass es auch anders geht: ruhig und würdevoll, im Zeichen des Respekts vor anderen. Das heißt aber nicht, dass die Japaner weniger leidenschaftlich oder lautstark sind als andere Fans. Ganz im Gegenteil. Sie hatten sich die Gesichter mit auffälligen Mustern bemalt, waren als furchterregende Samurai verkleidet und feuerten ihr Team mit ganzem Herzen an. Doch sobald das Spiel vorbei war, egal wie es ausgegangen war, blieben sie, um aufzuräumen. Wie aus dem Nichts zauberten sie Müllsäcke hervor und hinterließen das Stadion so sauber, wie sie es vorgefunden hatten. Diese Praxis, die auf der Philosophie von „Atarimae“ (die Dinge so nehmen, wie sie kommen) und „Meiwaku“ (andere nicht stören) beruht, ist ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Land, dem Gastgeber und allen Anwesenden. Auch die japanischen Spieler reinigen ihre Umkleidekabinen und zeigen ihren Fans Respekt, indem sie sich nach jedem Spiel vor ihnen verbeugen. Es ist mehr als nur ein Dankeschön. Es ist ein Zeichen tiefen Respekts und großer Dankbarkeit. Etwas, das die Welt öfter sehen sollte.
Der bissige Humor der Schotten
Ihr Team hatte zwar ein enttäuschendes Turnier erlebt, doch das hielt die schottischen Fans nicht vom Feiern ab. Es war das erste Mal seit 28 Jahren, dass sich die als „Tartan Army“ bekannte Fangruppe für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hatte, und sie waren fest entschlossen, jeden Moment zu genießen.
Schottische Fans eroberten Boston im wahrsten Sinne des Wortes. Die schottische Nationalmannschaft spielte dort, und innerhalb weniger Tage nach ihrer Ankunft hatte die „Tartan Army“ so viel Bier getrunken, dass die Einheimischen scherzten, der Stadt gehe das Bier aus. Sie flanierten durch Parks und öffentliche Plätze, fast immer begleitet vom Klang von Dudelsäcken. Nach dem Sieg über Haiti marschierten sie, in Kilts gekleidet und mit der schottischen Flagge schwenkend, zur Robbie-Burns-Statue im Evans Way Park. Und die Statuen selbst wurden Teil einer weniger bekannten schottischen Tradition, die die Bostoner zunächst verblüffte und dann amüsierte: das Aufsetzen von Verkehrskegeln auf die Köpfe der Statuen. Alles begann in den 80er-Jahren als nächtlicher Scherz in Glasgow, als die Statue des Herzogs von Wellington in der Nähe der Gallery of Modern Art mit einem Kegel „gekrönt“ wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dies zu einem inoffiziellen Symbol schottischer Kultur. In Boston platzierten Fans humorvoll Kegel auf Statuen von George Washington, Samuel Adams und den berühmten Bronzeenten im Stadtgarten. Sogar Bostons Bürgermeisterin Michelle Wu beteiligte sich an dem Spaß, indem sie einen Kegel auf eine Statue der Boston Celtics-Legende Bill Russell setzte.

Norwegens „Wikingerritt“
Norwegen war ein weiteres Land, das nach 28 Jahren Abwesenheit zur Weltmeisterschaft zurückkehrte. Und wie die Schotten wollten auch die Norweger diese Gelegenheit zum Feiern nicht verpassen. Stark von ihrem Wikingererbe geprägt, verströmten sie eine ansteckende Freude und Begeisterung.
Ihr Jubel, bekannt als „Wikinger-Gedränge“, war wohl der Höhepunkt dieser Weltmeisterschaft. Inspiriert von den Legenden nordischer Seefahrer und von Fans in einer Bar in Oslo vor dem Turnier erdacht, wurde er anfangs von manchen als etwas seltsame Geste empfunden. Doch die leidenschaftliche Art, mit der Fans und Spieler ihn ausführten, machte ihn zu einem wahren Spektakel. Der Klang des Wikingerhorns, der den Beginn des Rituals ankündigte, hallte durch das ganze Stadion und weckte bei allen Anwesenden Emotionen.
Die Norweger zeigten diese Bewegung nicht nur im Stadion. Sie sorgten für Furore, als sie die Übung auf einer Rolltreppe im Bostoner Südbahnhof vorführten. Am Times Square in New York führten sie das Ritual sogar während des jährlichen Solstice-Yoga-Events auf.
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Die Spieler haben die Amerikaner auch durch ihre Offenheit für die lokale Kultur für sich gewonnen. Bilder von Stürmer Erling Haaland, der in Texas Cowboy-Stiefel und -Hüte kaufte, gingen schnell viral. Ein Foto von ihm, wie er mit einem Stoffwaschbären unter dem Arm in Oslo aus dem Flugzeug stieg, verbreitete sich ebenfalls rasant.

Geschichtslektionen aus der Demokratischen Republik Kongo
Eine der größten Freuden der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 war, dass auch weniger bekannte Nationalmannschaften ins Rampenlicht rückten. Nicht nur kleine Inselstaaten wie Curaçao und Kap Verde, sondern auch Länder wie die Demokratische Republik Kongo. Als die Demokratische Republik Kongo zuletzt 1974 an einer Weltmeisterschaft teilnahm, hieß das Land noch Zaire und wurde von Präsident Mobutu Sese Seko regiert, der für seine Leopardenfellmützen bekannt war. Genau diesen Stil griff die Mannschaft bei ihrer Ankunft in Houston wieder auf: in maßgeschneiderten schwarzen Anzügen mit Leopardenmuster an Kragen und Einsätzen – ein neuer Maßstab für Eleganz für die anderen Teams.
Während diese Outfits die Neugier der Öffentlichkeit weckten, veranlasste die Figur des Superfans Michel Kuka Mboladinga, der während aller Spiele der Mannschaft regungslos auf einem Podest stand, viele dazu, in den Geschichtsbüchern nachzulesen. Mit dem Auftreten eines berühmten „Sapeuri“ aus Kinshasa – eines Dandys in Haute Couture – verkörperte er in Wirklichkeit Patrice Lumumba, den kongolesischen Revolutionsführer, der das Land in die Unabhängigkeit führte, bevor er wegen seiner panafrikanischen Ideale ermordet wurde.
Die CIA steht im Verdacht, an seiner Ermordung beteiligt gewesen zu sein. Möglicherweise war dies der Grund, warum Mboladinga kein US-Visum erhielt und sein Team nur in Kanada und Mexiko unterstützen konnte.

Kap Verde, das allen Vorhersagen trotzt
Jeder liebt eine mitreißende Teamgeschichte, und bei der Weltmeisterschaft verkörperte niemand diese Rolle besser als die Inselnation Kap Verde. Mit einem Kader, der größtenteils aus Spielern bestand, die in den unteren europäischen Ligen aktiv waren, schaffte es diese Kämpfertruppe, mit Spanien gleichzuziehen.
Das Team, bekannt als die „Blauen Haie“, trotzte bis zum Schluss allen Erwartungen und demonstrierte damit den tief verwurzelten Glauben der Kapverdier, dass sich harte Arbeit und Hingabe immer auszahlen. Nirgends spiegelte sich dies deutlicher wider als in der Geschichte des 40-jährigen Torhüters Josimar José Évora Dias, genannt Vozinha. Er parierte in vier Spielen unglaubliche 18 Schüsse, viele davon spektakulär, und wehrte Schüsse von Fußballstars wie Vinícius Júnior und Lionel Messi ab.
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Vozinhas Social-Media-Profil explodierte förmlich und brachte ihm während des Turniers 22 Millionen neue Follower auf Instagram ein (vor seinem WM-Debüt hatte er dort lediglich 50 Follower). Die Spieler kehrten als Helden nach Kap Verde zurück, und Vozinha wurde eine besondere Ehre zuteil: Eine neu entdeckte Meeresschneckenart wurde nach ihm benannt.
Entnommen aus „Wanderlust MagazinÜbersetzt von: Edona Binaku