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Kultur

Kosovo zwischen Krieg und Frieden, ein Wendepunkt auch für Deutschland

Kosovo zwischen Krieg und Frieden, ein Wendepunkt auch für Deutschland

Sylë Ukshini hat deutsche, amerikanische und albanische Archivdokumente zusammengetragen und die Entwicklungen in fünf Phasen der deutschen Politik unterteilt: anfängliches Zögern, moralischer Schock, Besorgnis über Kosovo, NATO-Intervention, die einen historischen Wendepunkt für Deutschland markiert, und die Phase der Eingliederung in den Nachkriegsstatus.

Sylë Ukshini bietet mit ihrem Buch „Die Rolle der deutschen Außenpolitik gegenüber dem Kosovo 1990–2008“ auf Grundlage von Archivdokumenten einen Überblick über die politischen und diplomatischen Entwicklungen in Deutschland von Beginn der 90er-Jahre bis zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo und den darauffolgenden Prozessen. Im Mittelpunkt steht der Wandel des deutschen Staates von einer passiven Rolle zu einem Schlüsselakteur in diesem internationalen, politischen und militärischen Geschehen. Der deutsche Historiker Konrad Clewing würdigt das Buch als wichtigen Beitrag zur modernen Geschichtsschreibung der deutschen Außenpolitik.

Die deutsche Außenpolitik während der Kosovo-Krise und im anschließenden Staatsbildungsprozess stand am Donnerstag im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion in der Buchhandlung „Dukagjini“. Dort wurde das Buch „Die Rolle der deutschen Außenpolitik gegenüber dem Kosovo 1990–2008“ von Sylë Ukshini vorgestellt. Es bietet eine umfassende Analyse der Krise der deutschen Politik in den vorangegangenen Jahren und ihrer Wandlung bis zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo. An der Veranstaltung nahmen neben der Autorin auch der deutsche Historiker Konrad Clewing und der ehemalige kosovarische Botschafter in Thailand, Muhamet Brajshori, teil. Die Moderation übernahm Ardi Visoka.

Das Buch bietet einen Überblick über die politischen und diplomatischen Entwicklungen von den frühen 90er Jahren bis zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo und den darauffolgenden Prozessen. Ukshini hat deutsche, amerikanische und albanische Archivdokumente zusammengetragen und die Entwicklungen in fünf Phasen der deutschen Politik unterteilt: anfängliches Zögern, moralischer Schock, Besorgnis über den Kosovo, NATO-Intervention als historischer Wendepunkt für Deutschland und die Phase der Integration in den Nachkriegsstatus. Zahlreiche Diplomaten, Politiker, Politikexperten und Journalisten nahmen an der Veranstaltung teil.

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Ukshini betonte, dass die pazifistische Haltung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg die Art und Weise prägte, wie die Politik des Kosovo zu jener Zeit unterstützt wurde.

„Einer der Gründe, warum Bonns Politik damals die politische Linie Rugovas unterstützte, liegt darin, dass die deutsche Politik nach dem Zweiten Weltkrieg zutiefst pazifistisch war. Dies ist im historischen Kontext zu sehen und stellt ein Problem dar, das schwer zu überwinden ist“, sagte der Autor des Studienbuches.

Es wurde ein Vergleich zwischen den Mitgliedsländern der Kontaktgruppe und ihrem Einfluss auf die Politikentwicklung auf dem Balkan angestellt, wobei die Rolle Deutschlands hervorgehoben wurde.

„Da Deutschland nicht dem Sicherheitsrat angehörte, übernahm es innerhalb der Kontaktgruppe eine einflussreiche Rolle und wurde zu einer Art Vermittler zwischen der entschlosseneren amerikanischen Position und der offeneren europäischen Position“, fügte er hinzu.

Deutschlands Rolle in der Kosovo-Krise

Der deutsche Historiker Konrad Clewing lobte das Buch als wichtigen Beitrag zur modernen Geschichtsschreibung der deutschen Außenpolitik. Seiner Ansicht nach markierte die Intervention im Kosovo 1999 den Wendepunkt, an dem das wiedervereinigte Deutschland begann, sich als aktive zivile Macht auf der internationalen Bühne zu etablieren. Er betonte, dass die deutsche Politik jener Zeit stark an den Normen des Völkerrechts und des Multilateralismus orientiert war.

„Dies taucht im Buch immer wieder auf, sogar in Passagen, die heute nicht mehr unmittelbar verständlich sind. Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Politik gegenüber dem Kosovo im Kriegsjahr 1999 auf die Frage der Menschenrechte und der regionalen Sicherheit ausgerichtet war, die beide durch die massive und systematische Vertreibung von Kosovaren durch serbische Streitkräfte gefährdet waren, und andererseits auch Russland in den damaligen Erfolg einbezogen war“, sagte er.

Es hat auch die Bemühungen der deutschen Diplomatie in den Fokus gerückt, Russland in den Prozess einzubeziehen, um Spaltungen zwischen den Großmächten in Europa und den USA zu vermeiden.

„Das Buch zeigt – und das hat mich auch überrascht –, dass selbst am Vorabend der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo wichtige deutsche Akteure, wie der ehemalige Außenminister Steinmeier, der jetzige Bundespräsident, einen vorsichtigeren Kurs bevorzugten, wiederum mit der Begründung, Russland müsse irgendwie einbezogen werden. Wie man heute weiß, war dieses Vorgehen schon damals naiv“, fügte der Historiker Clewing hinzu.

Er argumentierte, dass der Prozess hin zur Unabhängigkeit des Kosovo innenpolitische Dilemmata in Deutschland offengelegt habe. Er hielt Ukshins Buch für reich an systematischen Verweisen auf die Kontaktgruppe, mehr als jede andere Publikation, die er gelesen habe, kritisierte den Autor jedoch leicht dafür, dass es kein Namens-, Orts- und Stichwortverzeichnis enthielt.

„Das ist bedauerlich, denn das Buch hat so viel zu bieten. Es enthält mehr systematische Analysen und Bezüge zur Kontaktgruppe als jede andere Publikation, die ich bisher gelesen habe“, sagte Clewing.

Ein Wendepunkt für die deutsche Politik

Der ehemalige Botschafter Muhamet Brajshori betonte, dass Ukshin zwei Hauptaspekte beleuchtet: die Auswirkungen der Kosovo-Frage auf die Transformation der deutschen Außenpolitik und die Art und Weise, wie Deutschland Kosovo von der diplomatischen Peripherie ins Zentrum der neuen europäischen Ordnung gerückt hat. Laut Brajshori eröffnete der Abschluss der Frage der deutschen Wiedervereinigung Ende der 90er-Jahre die Möglichkeit für ein aktiveres Engagement Deutschlands in internationalen Angelegenheiten, einschließlich der Kosovo-Frage.

„Die deutsche Intervention im Kosovo hat Deutschland von einem passiven zu einem Schlüsselakteur dieser internationalen, politischen und militärischen Operation gemacht. Ukshin interpretiert die Intervention im Kosovo als Transformationsphase der deutschen Außenpolitik, basierend auf drei Kernpunkten: Deutschland reaktiviert die Kontaktgruppe zur Kosovo-Frage, unterstützt die NATO-Intervention nachdrücklich und spielt eine Schlüsselrolle beim Ausgleich der Differenzen zwischen Russland, den USA und der NATO in der Welt“, sagte er.

Brajshori betonte in seinen Ausführungen zu den Phasen des deutschen Engagements, dass die NATO-Intervention den Moment markierte, in dem Deutschland „aus dem Schatten seiner Geschichte trat“ und seine Rolle als strategischer Akteur erprobte. Dieser Prozess habe, so Brajshori, drei wichtige Entwicklungen hervorgebracht: die Normalisierung der deutschen Außenpolitik von einer zivilen Macht hin zu einem Sicherheitsakteur, die Übernahme einer Führungsrolle in Europa und die Wiederherstellung der moralischen Dimension in staatlichen Entscheidungsprozessen.

Er fügte hinzu, dass die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo für Deutschland kein einfacher linearer Schritt sei, sondern ein Prozess mit internen Debatten, in dem Deutschland eine ausgleichende Rolle zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich und Russland spiele.

Die Werbeaktion hat eine umfassende Studie vorgestellt, die die Kosovo-Frage in direkten Zusammenhang mit dem Wandel der deutschen Politik in der Nachkriegszeit stellt. Die Diskussionsteilnehmer kamen zu dem Schluss, dass das Buch neue Forschungsperspektiven sowohl für die moderne deutsche Geschichte als auch für die internationalen Beziehungen des Kosovo eröffnet.

Sylë Ukshini hat unter anderem einen seltenen Beitrag zur modernen Geschichtsschreibung der internationalen Beziehungen geleistet, indem er aufzeigte, wie sich das wiedervereinigte Deutschland von einer Politik der militärischen Zurückhaltung zu einer aktiven zivilen Macht entwickelt hat, die eine Schlüsselrolle bei der Lösung der Kosovo-Frage und der Umgestaltung des Balkans gespielt hat.