DIE WELT

Erdogan wird nächste Woche den Irak besuchen

Erdogan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wird nächste Woche zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt den Irak besuchen. Bei diesem Besuch wird Erdogan um die Unterstützung Iraks für seinen Kampf gegen die im Irak stationierten kurdischen Aufständischen bitten, und der Besuch zielt auch darauf ab, dem Einfluss Irans entgegenzuwirken.

Ganz oben auf der Agenda Erdogans in Bagdad steht die Sicherung der Unterstützung für die geplante Offensive der Türkei gegen die kurdische Aufständischengruppe PKK. Die PPK nutzt den Irak seit Jahrzehnten als Stützpunkt für ihren Krieg gegen die türkischen Streitkräfte.

Analysten sind der Meinung, dass die Türkei einen Plan hat.

„Die Türkei möchte eine umfassende Strategie starten, die eine wirtschaftliche, soziale und sicherheitspolitische Grundlage hat. Und in der Zwischenzeit die Kapazitäten der irakischen Sicherheitskräfte ausbauen, damit der Irak sicherer wird und die Türkei sich sicherer fühlen kann“, sagt Murat Aslan von der Stiftung für politische, wirtschaftliche und soziale Forschung.

Letzten Monat errang Ankara einen diplomatischen Sieg, als die irakischen Behörden die PKK verboten. Präsident Erdogan hat noch andere Vorteile, sich Zugeständnisse zu sichern. Im Irak herrscht derzeit eine Dürre, und das offizielle Bagdad bittet die Türkei, Dämme zu öffnen, um mehr Wasser in die durch den Irak fließenden Flüsse zu leiten. Der türkische Staatschef erklärt, er sei bereit, diese Bitte in Betracht zu ziehen.

Analysten sagen, dass die Vertiefung der Handelsbeziehungen auch ein wichtiger Teil der Agenda des türkischen Präsidenten sei. Ziel ist es, den internationalen Warentransit durch den Irak als Teil einer neuen Handelsroute zwischen China und Europa zu steigern.

Laut dem ehemaligen türkischen Diplomaten, der im Irak diente, sei dies auch der Zweck von Erdogans Besuch im Irak.

„Im Mittelpunkt dieses Präsidentenbesuchs im Irak, in Bagdad und Erbil, wird die sogenannte Entwicklungsstraße stehen, die den Hafen von Basra mit der türkischen Grenze oder einem neuen Grenzpunkt verbinden wird“, sagt er.

Erdogan sagt, er könnte Erbil besuchen, die Hauptstadt des halbautonomen Kurdistans, mit dem der türkische Führer enge Beziehungen aufgebaut hat.

Analysten warnen jedoch, dass sein Ziel, den türkischen Einfluss im Irak auszuweiten, vom Iran vereitelt werden könnte, der im Irak über erheblichen Einfluss verfügt.

Analysten sagen, Erdogans Besuch im Irak könnte Veränderungen bringen, aber auch die historische Rivalität zwischen der Türkei und dem Iran anheizen. /VOA