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Nissinen: Längerer Stillstand behindert Fortschritte in mehreren Bereichen, politischer Wille ist erforderlich

„Institutionelle Herausforderungen sind zwar keine Seltenheit, doch ein längerer Stillstand könnte den Fortschritt in einigen Schlüsselbereichen behindern. Die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Institutionen trägt auch dazu bei, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu erhalten. Politiker sind für ihre Fähigkeit bekannt, Kompromisse zu erzielen, daher habe ich Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Zuallererst ist politischer Wille erforderlich“, sagte der finnische Botschafter Matti Nissinen in einem Abschiedsinterview für KOHĪN.

Die politische Sackgasse nach den letzten Wahlen habe eine Atmosphäre der Unsicherheit geschaffen, nicht nur im Hinblick auf die Funktionsweise der Institutionen, sondern auch auf wichtige politische Prozesse, die weiterhin auf Eis lägen, sagte der finnische Botschafter Matti Nissinen in einem Interview mit KOHĪN. Da das Parlament noch nicht konstituiert und die neue Regierung noch nicht im Amt ist, habe dies seiner Ansicht nach auch Auswirkungen auf die Außenpolitik, insbesondere auf die Beziehungen des Kosovo zur Europäischen Union (EU).

In seinem Abschiedsinterview schätzt der Botschafter ein, dass die aktuelle Situation die Fähigkeit der Institutionen, interne und externe Herausforderungen zu bewältigen, unmittelbar beeinträchtigt, darunter auch die Spannungen im Norden, der überwiegend von Serben bewohnt wird. Er betont, dass die Situation in dieser Region ein vorsichtiges Vorgehen und eine enge Abstimmung mit internationalen Partnern erfordere.

„Um Probleme und Missverständnisse zu vermeiden, ist es im Allgemeinen eine gute Idee, Schritte transparent, verhältnismäßig und in Absprache mit den relevanten Interessengruppen zu unternehmen“, betonte er.

In Bezug auf den Dialogprozess zwischen dem Kosovo und Serbien betonte Nissinen, wie wichtig es sei, diesen trotz politischer Herausforderungen fortzusetzen. Ihm zufolge sollten die Gespräche nicht nur als internationale Verpflichtung betrachtet werden, sondern als notwendiger Mechanismus, um regionale Stabilität zu gewährleisten und den Weg zur euro-atlantischen Integration zu ebnen.

„Wir brauchen einen ergebnisorientierten Ansatz. Klare Fristen und stärkere Mechanismen zur Rechenschaftspflicht können ebenfalls hilfreich sein“, sagte er.

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Der finnische Botschafter, dessen Mandat im Kosovo diesen Monat endet, sprach auch über die bilateralen Beziehungen und betonte, dass diese großes Potenzial hätten, ihre Verwirklichung jedoch von der internen politischen Konsolidierung und dem Funktionieren der Institutionen abhänge.

Bilaterale Zusammenarbeit

KOHA: Wie würden Sie Ihre Erfahrungen als finnischer Botschafter hier am Ende Ihres Mandats im Kosovo beschreiben?

Nissinen: Die Tätigkeit als finnischer Botschafter im Kosovo war eine große Ehre und eine äußerst bereichernde Erfahrung. In den letzten drei Jahren hatte ich das Privileg, die nachhaltige Entwicklung des Kosovo, seine dynamische Energie und seine klaren internationalen Ambitionen hautnah mitzuerleben. Die Organisation zahlreicher Treffen – sei es mit jungen Führungskräften, Wirtschaftsvertretern, zivilgesellschaftlichen Aktivisten oder Journalisten – und die direkten Gespräche mit Studierenden verschiedener Universitäten und Hochschulen werden mir immer in Erinnerung bleiben. Diese Momente, zusammen mit der kosovarischen Gastfreundschaft, haben meine Zeit hier unvergesslich gemacht.

KOHA: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Erfolge während Ihrer Amtszeit bei der Stärkung der Beziehungen zwischen dem Kosovo und Finnland?

Nissinen: Einer der wichtigsten Erfolge war die Vertiefung unserer bilateralen Zusammenarbeit in mehreren Sektoren mit dem Ziel, umfassende Beziehungen zwischen zwei gleichberechtigten Ländern aufzubauen. In Bereichen wie Bildung, Technologie und Jugendförderung haben wir gemeinsam hervorragende Ergebnisse erzielt.
Besonders stolz bin ich auf unsere gemeinsamen Bemühungen zur Förderung der Handelsbeziehungen zwischen unseren Ländern. Während meiner Amtszeit haben wir die Nordische Handelskammer im Kosovo gegründet. Die Zukunft der Kammer sieht vielversprechend aus, und das ist für mich ein besonderer Erfolg. In den letzten drei Jahren ist die Zahl finnischer Unternehmen, die den Kosovo besuchen, um gemeinsame Möglichkeiten zu nutzen, stetig gestiegen, was neue Türen für die Zusammenarbeit öffnet.
Zahlreiche hochrangige Besuche, wie der Besuch von Außenministerin Elina Valtonen in Pristina und der jüngste Besuch von Präsidentin Vjosa Osmani in Finnland, haben unsere politischen und Handelsbeziehungen weiter gestärkt.
Ich bin auch stolz darauf, die größten Innovatoren und führenden Unternehmer Finnlands in den Kosovo holen zu können, die junge Kosovaren mit ihren Geschichten und ihrem Fachwissen inspirieren. Die kosovarische Diaspora in Finnland mit ihren talentierten und aktiven Mitgliedern hat diese Arbeit maßgeblich unterstützt. Zusammen mit lokalen Initiativen, wie Besuchen in Peja oder Gjilan, um lokale Unternehmer zu treffen, hat dies unsere Beziehungen nachhaltig gestärkt.
Abschließend möchte ich einen weiteren wichtigen Aspekt der finnisch-kosovarischen Zusammenarbeit hervorheben: Menschenrechte und soziale Unterstützung. Ein gutes Beispiel ist die Arbeit der Diakonissenstiftung, die seit langem im Kosovo durch starke lokale Partnerschaften aktiv ist. Ihre Bemühungen haben den Weg für Bildung, Beschäftigung und grundlegende Dienstleistungen geebnet und so zur langfristigen Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft beigetragen.

KOHA: In welchen konkreten Sektoren haben Sie in den letzten Jahren das größte Wachstum oder die größte Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Finnland und dem Kosovo beobachtet?

NissinenBildung und Technologie zeichnen sich als die Bereiche mit den größten Verbesserungen ab. Finnlands Expertise im Bildungsbereich wird hier im Kosovo sehr gut angenommen, und es sind wertvolle Partnerschaften entstanden. Unser gemeinsames Interesse an digitaler Transformation und grünen Technologien hat zudem neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnet, insbesondere zwischen jungen Fachkräften und Start-ups.

KOHA: Welche gemeinsamen Initiativen oder Projekte sind Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern?

NissinenMir fallen da mehrere Initiativen ein, darunter Programme zum Kapazitätsaufbau in der öffentlichen Verwaltung, Unterstützung bei der Bekämpfung von Desinformation und zur Stärkung der Resilienz sowie die zahlreichen Bemühungen zur Stärkung der Jugend im Kosovo. Ich bin überzeugt, dass diese Projekte auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Kosovo braucht die Wiederherstellung der institutionellen Funktionalität

KOHA: Der Kosovo steckt derzeit in einer politischen Sackgasse bei der Schaffung neuer Institutionen. Wie besorgniserregend ist diese Situation aus Ihrer Sicht?

NissinenIch wünsche mir, dass die Schaffung neuer Institutionen so schnell wie möglich erfolgt. Politische Stabilität und Berechenbarkeit sind für die Entwicklung eines jeden Landes unerlässlich. Obwohl institutionelle Herausforderungen keine Seltenheit sind, könnte ein längerer Stillstand den Fortschritt in einigen Schlüsselbereichen behindern. Die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit von Institutionen trägt auch dazu bei, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu erhalten. Politiker sind für ihre Kompromissfähigkeit bekannt, daher vertraue ich auf ihre Fähigkeiten. Zuallererst ist politischer Wille erforderlich.

KOHA: Inwiefern könnte die institutionelle Blockade die Entwicklung des Kosovo und seine Ziele in Richtung euro-atlantischer Integration beeinträchtigen?

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NissinenDies ist zweifellos eines der Hauptprobleme. Lange Verzögerungen bei der Bildung neuer Institutionen können notwendige Reformen blockieren, die Umsetzung der Verpflichtungen des Kosovo im Rahmen der europäischen Agenda verlangsamen und Unsicherheit für Bürger und Investoren schaffen. Im Kontext der euro-atlantischen Integration ist Dynamik ein Vorteil – einmal verloren, ist sie nur schwer wiederzugewinnen. Eine stabile und handlungsfähige Regierung ist unerlässlich, um strategische Prioritäten voranzutreiben und Reformen umzusetzen. Meiner Erfahrung nach ist der rechtzeitige Aufbau von Institutionen auch ein starkes Signal politischer Reife und Glaubwürdigkeit gegenüber der internationalen Gemeinschaft.

KOHA: Sehen Sie angesichts der Unterstützung Finnlands für die EU-Mitgliedschaft des Kosovo die Gefahr, dass das Land seinen Verpflichtungen aus der vertraglichen Beziehung zur Europäischen Union nicht mehr nachkommt?

Nissinen: Der Kosovo hat sich stark für den europäischen Weg engagiert, und ich bin überzeugt, dass diese Herausforderungen mit der anhaltenden Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten bewältigt werden können. Natürlich kann die „harte Arbeit“ – also soziale Reformen und andere Verpflichtungen – nur vom Kosovo selbst geleistet werden.
Insgesamt bin ich sehr zuversichtlich, was die Zukunft des Kosovo in euro-atlantischen Organisationen wie der EU und der NATO angeht, und Finnland wird diese Bestrebungen weiterhin am stärksten unterstützen.

Im Dialog sind konkrete Ergebnisse nötig

KOHA: Der Dialog zwischen Kosovo und Serbien hat in den letzten Jahren nur begrenzte Fortschritte gemacht. Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für die Verzögerungen bei der Umsetzung der Abkommen?

NissinenDie EU setzt sich weiterhin dafür ein, den Dialog zwischen dem Kosovo und Serbien zu fördern. Letztendlich liegt es jedoch an den Parteien, eine Einigung zu erzielen. Ich glaube, die Verzögerungen sind auf eine Kombination politischer Faktoren und unterschiedlicher Auslegungen der Abkommen zurückzuführen. Ein Durchbruch im Dialog erfordert starken politischen Willen sowohl des Kosovo als auch Serbiens, und die internationale Gemeinschaft wird diese Bemühungen weiterhin unterstützen. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass viele Jahre vergangen sind und nun konkrete Ergebnisse erforderlich sind.

KOHA: Was muss sich an der Herangehensweise beider Parteien und vielleicht sogar der internationalen Vermittler ändern, um eine bessere Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Dialog zu gewährleisten?

Nissinen: Echter politischer Wille zur Einigung ist das Schlüsselelement. Ich habe gelernt, dass es in diplomatischen Verhandlungen besser ist, mit Lösungsvorschlägen an den Verhandlungstisch zu sitzen, nicht mit Anschuldigungen und Problemen. Ein ergebnisorientierter Ansatz ist erforderlich. Klare Fristen und stärkere Rechenschaftsmechanismen können ebenfalls hilfreich sein.
Ich habe volles Vertrauen in den EU-Vermittler und Finnland wird die Dialogbemühungen weiterhin auf jede erdenkliche Weise unterstützen.

KOHA: Wie ernst sind die Sicherheitsrisiken im Kosovo, insbesondere im Norden, aufgrund der ungeklärten Beziehungen zwischen dem Kosovo und Serbien?

NissinenDie Lage im Norden bleibt instabil. Obwohl Bemühungen zur Stabilisierung der Region unternommen wurden, zeigen Spannungen und Zwischenfälle, wie wichtig ein nachhaltiger Dialog und präventive Diplomatie sind. Die Menschen in dieser Region verdienen ein Leben in Frieden und echte Zukunftsperspektiven, darunter Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigungsmöglichkeiten.

KOHA: Die Regierung des Kosovo hat im Norden des Landes mehrere Maßnahmen ergriffen und diese als Schritte zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung bezeichnet. Wie werden diese Maßnahmen aus Ihrer diplomatischen Sicht wahrgenommen?

Nissinen: Eine der goldenen Regeln der Diplomatie besteht darin, der Regierung des Gastlandes keine öffentlichen Ratschläge zu erteilen. Generell kann ich sagen, dass aus Sicht meines Landes die Rechtsstaatlichkeit von entscheidender Bedeutung ist. Um Probleme und Missverständnisse zu vermeiden, ist es jedoch in der Regel ratsam, transparent, verhältnismäßig und in Absprache mit den relevanten Interessengruppen vorzugehen. Jeder sollte sich einbezogen fühlen und die Möglichkeit haben, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.

KOHA: Stabilisieren diese Maßnahmen die Situation möglicherweise oder lassen sie sie eskalieren?

NissinenIch glaube nicht, dass es im Interesse von irgendjemandem ist, Maßnahmen zu sehen, die zu verstärkten Spannungen führen könnten. Dialog und inklusive Regierungsführung bleiben der Schlüssel zu langfristiger Stabilität, und genau das müssen wir zeigen.
Die Kommunalwahlen im Oktober bieten den Bürgerinnen und Bürgern erneut die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern und demokratische Einflussmöglichkeiten zu nutzen. Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung.

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KOHA: Wie sehen Sie die Rolle der EU und ihrer Mitgliedstaaten, einschließlich Finnlands, bei der Unterstützung einer langfristigen Normalisierung und eines nachhaltigen Friedens in der Region?

Nissinen: Die EU und ihre Mitgliedstaaten engagieren sich in der Region. Der EU kommt eine entscheidende Rolle bei der Erleichterung des Dialogs, der Unterstützung von Reformen und der Förderung der regionalen Zusammenarbeit zu.
Als EU-Mitgliedsstaat engagiert sich Finnland weiterhin für demokratische Reformen und Entwicklung in der gesamten Westbalkanregion. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, mit dem Ziel, die Länder der Region so schnell wie möglich in die EU, die NATO und andere Organisationen aufzunehmen. Ich sehe meine Vision für den Kosovo und die gesamte Region als sehr positiv.