Kulturergänzung

Neziraj: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit

Jeton Neziraj: Ich möchte Bürger einer Welt sein, in der mutige Menschen leben und schaffen, die verstehen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Wir müssen es gemeinsam aufrechterhalten, denn die Feinde des Friedens und der Demokratie schärfen ihre Schwerter
 

Der kosovarische Dramatiker Jeton Neziraj erlebte während seines Dramaturgiestudiums die Repressionen des Milosevic-Regimes und die Hölle des Bürgerkriegs. Nach der Gründung der Republik Kosovo war er dort als künstlerischer Leiter des Nationaltheaters tätig. Bisher hat er mehr als 2018 Theaterstücke geschrieben, die in ganz Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika aufgeführt wurden. 2020 verlieh ihm das Büro der Europäischen Union im Kosovo die Auszeichnung „Europäer des Jahres“. Er ist Träger des Europe Culture Award 2021 und des International Theatre Award XNUMX der New Yorker Kompanie „Playwrights Realm“. Er gründete und leitet die Theater- und Produktionsfirma „Cendra Multimedia“ mit Sitz in Pristina und brachte zu „Palm Of Fest“ die von „Journèes de Lyopn des Auteurs de Theátre“ ausgezeichnete Theaterkoproduktion „The Handke Project“ mit. Sein Stück „Frieden verhandeln“ erlebte seine tschechische Erstaufführung im Prager Stadttheater.

Divadelni Noviny: Wer hatte die Idee zu „The Handke Project“?

Lebt Neziraj: Peter Handke wurde in den Balkanmedien und in der Öffentlichkeit in den 90er Jahren bekannt, als er begann, politische Texte zur Unterstützung Serbiens und Slobodan Milosevic zu schreiben. Die Aufmerksamkeit für sein Werk und seine kontroversen Texte nahm zu, nachdem er den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte. Ich persönlich habe mich 2019 dafür interessiert, als das „Multimedia Center“ und ich beauftragt wurden, eine Show für die Wolskbühne in Berlin zu produzieren. Ich habe „Die Rückkehr Karl Mays“ geschrieben, ein Stück, das das Publikum mit der geradezu dämonisierenden Haltung Westeuropas gegenüber dem Osten konfrontiert. In einer Szene trifft Mays Figur Kara Ben Nemsi auf Peter Handken. Nachdem ich das Drama beendet hatte, wurde mir klar, dass Handke mehr Aufmerksamkeit verdient hatte. Meine nächste Arbeit wäre ein Drama, in dem ich versuche zu verstehen, wie wir als Künstler der künstlerischen Freiheit verpflichtet bleiben und uns gleichzeitig der Verantwortung gegenüber unserem Publikum voll bewusst sein können. So interessierten wir uns in „Das Handke-Projekt“ nicht so sehr für Peter Handken (als Einzelperson), sondern vielmehr für das „Phänomen Peter Handke“, ein lebendiges Beispiel europäischer Heuchelei, das den Faschismus als Ausdruck darzustellen vermag künstlerische Freiheit, ich schätze sie sogar.