Kulturergänzung

„In der Heimat von Cena Beg“: Wie holte Franz Babingeri Gjakova 1928 nach Berlin?

Faksimile der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 4. Dezember 1928, in der Franz Babingers Artikel „In der Heimat Cena Begs“ veröffentlicht wurde.
 

Gjakova sei eine tote Stadt, schrieb der deutsche Historiker und Orientalist Franz Babinger auf der ersten Seite des im Dezember 1928 in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichten Artikels. Enttäuscht über die geringe Zahl an Menschen, die er auf den Straßen dieses Landes gesehen hatte, zeigt Babinger, dass die albanische Bevölkerung größtenteils über die Grenze nach Albanien und in die Türkei abwanderte und es nur wenige gab, die das Land nicht verlassen wollten. Belebt wurde die Stadt durch das damals einzige Gasthaus, das den Namen „Jugoslawien“ trug, ansonsten herrschte Stille über die einst mehr als 20 Einwohner zählende Stadt. Selbst die wenigen Montenegriner, die man in der Stadt mit ihren farbenfrohen Kleidern sah, konnten diese Düsternis seiner Meinung nach nicht beseitigen. Die Inspiration und das Material, um den Rest des Artikels über Gjakova zu schreiben, fand Babingeri anlässlich seines Besuchs im Gästehaus von Gani Kryezius.

Anfang Dezember 1928 konnten die Leser der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ auf der Titelseite der Tageszeitung über die interessantesten Nachrichten des Tages informiert werden. Besonders hervorzuheben sind die Beiträge zu den aktuellen Diskussionen um den Posten des neuen österreichischen Bundespräsidenten, die Debatten zur Rheinlandfrage sowie ein Besuch eines deutschen Professors in einer Kleinstadt auf der anderen Seite Europas. Dem Leser präsentiert durch eine diplomatische Persönlichkeit, deren Ermordung vor nicht allzu langer Zeit in vielen europäischen Medien Schlagzeilen machte. Es ging um den Besuch des Orientalisten Franz Babinger in Gjakova und Cena Bej Kryeziu, der Botschafterin des albanischen Staates in Tschechien. Bevor wir verstehen, wie es zu dieser Nachricht kam und was der deutsche Professor in diesem Land sah, wollen wir uns kurz mit Letzterem befassen.

Wer war Franz Babinger?